Landschaftsfotografie im Harz | Kurztrip zu den Ilsefällen

Ilsefälle Harz

Der goldene Herbst hat Einzug gehalten – für den Landschaftsfotografen hat damit eine sehr reizvolle Jahreszeit begonnen. Schon länger hatte ich mir vorgenommen, mich im Harz ein paar Tage der Landschaftsfotografie zu widmen. Jetzt, Mitte Oktober, schien die Zeit dafür perfekt!
Der Wetterbericht für das Wochenende sagte noch einmal trockene, sonnige und warme Tage voraus. Kurzerhand wurde ein Auto gemietet und los ging es (mit einer guten Freundin) von Kiel gen Ilsenburg. Nahe des kleinen Ortes in Sachsen-Anhalt befinden sich im Nationalpark Harz (der mittlerweile sogar wieder Heimat des Luchses ist) die bekannten Ilsefälle – ein Paradies für die Landschaftsfotografie. Besonders jetzt im Herbst, wenn sich das Laub der Bäume in allen erdenklichen Farben zeigt, bietet das Tal der Ilse eine Vielzahl an Motiven, die nur darauf warten abgelichtet zu werden.

Teilweise kaskadenartig stürzt sich der Wildbach von der Heinrichshöhe, einer Nebenkuppe des Brockens, ins Tal. Wenigstens ein gutes Foto wollte ich von dieser Landschaft mit nach Hause nehmen.

Nach etwa 3,5 Stunden Fahrt erreichten wir den Ort. Durch die gute Beschilderung war auch der Heinrich-Heine-Weg, der vorbei an den Ilsefällen bis auf den Brocken führt, leicht zu finden. Weniger leicht war es, einen Parkplatz zu finden. Strahlender Sonnenschein und das Wochenende bedeuteten natürlich auch eine Menge Ausflügler und Wanderer!

Etwas abseits fanden wir einen Stellplatz für das Auto. Mein Tip wäre, wenn irgendwie möglich, unter der Woche und außerhalb der Ferienzeit zu kommen.

Gleich zu Beginn führt der Heinrich-Heine-Weg uns an der Ilse entlang. Nach etwa 2,5km erreichen wir dann die eigentlichen Ilsefälle. Welch ein Anblick für mich, bin ich doch das platte Land in Schleswig-Holstein gewöhnt. Aufgrund des strahlenden Sonnenscheins war jedoch das Licht zum Fotografieren noch zu hart. Die entstehenden Spitzlichter auf der Wasseroberfläche würden den Betrachter des Fotos ablenken, da der Blick meist zu den hellsten Stellen des Bildes geht. Ich beschloss, mit der Fotografie noch etwas zu warten. Idealerweise arbeitet man in der Fotografie im Wald bei bewölktem Himmel (und damit diffusen, weichen Licht) oder hofft, dass die Sonne irgendwann hinter eine Anhöhe verschwindet und damit die harten Kontraste.
Auf schlechteres Wetter warten war an diesem Tag keine Option – der Wetterbericht sagte wolkenlosen Himmel voraus. Daher setzte ich auf den Rückweg, wenn die Sonne tiefer und womöglich hinter einem Berg stehen würde.

Gegen halb 4 dann war das Licht in weiten Teilen entlang der Ilsefälle tatsächlich nicht mehr zu hart. Die Sonne stand tief und der Fluss lag im Schatten. Natürlich hatten die relativ zahlreich vertretenden Fotografen bereits an einigen fotogenen Passagen ihre Kamera mitsamt Stativ aufgebaut. Es empfiehlt sich, zumindest an stark frequentierten Tagen, frühzeitig da zu sein oder aber etwas abseits der steilen Kaskaden der Ilse nach geeigneten Motiven Ausschau zu halten. Dort ist immer ein ruhiges Fleckchen zu finden.

Ich entschied mich für Letzteres. In Verbindung mit den herbstlichen Farben des Waldes waren an vielen Stellen interessante Bildkompositionen möglich. Gezielt schaute ich nach interessanten Objekten für den Bildvordergrund wie z.B. Steine oder Farne. Dies ist bei der Verwendung von (Super-)Weitwinkelobjektiven besonders wichtig, um das Auge in all der „Unordnung“ des Waldes durch das Bild zu führen. Wie heißt es so schön?

„Vordergrund macht Bild gesund.“

Ich spielte mit Brennweiten zwischen 10 und 18mm (an meiner Kamera mit APS-C Sensor, der Sony A77II). Um Reflektionen auf der Wasseroberfläche zu reduzieren und die herbstlichen Farben zu verstärken, nutzte ich einen Polfilter. Um hellere Bildbereiche abzudunkeln kam gelegentlich auch ein Grauverlaufsfilter zum Einsatz.

Ein Farn seitlich des Flussbettes stach mir ins Auge. Ich wählte einen passenden Bildausschnitt und drückte ab:

Ilsefälle Harz Fotografie
Die Ilse im Nationalpark Harz #1. Sony A77II | 18mm | f11 | ISO100 | 3,2 Sek. | Polfilter

Immer empfiehlt es sich, das Motiv im Quer- und Hochformat abzulichten. Im Nachhinein, bei der Bildauswahl, war ich froh beide Varianten ausprobiert zu haben! Meistens erkenne ich nämlich erst am heimischen Rechner, welche Version stimmiger ist.

Weiter flussabwärts wartete mein nächstes Motiv. Vereinzelt lagen Ahornblätter auf den Steinen im Wildbach. Ich beschloss, eines dieser Blätter als gestaltendes Element im Bildvordergrund zu verwenden. Und zugegeben – das Blatt im folgenden Bild habe ich dort etwas arrangiert. Solange ich nichts zerstöre, empfinde ich eine solche Manipulation zu gestalterischen Zwecken in Ordnung. Ich hoffe, es wird mir verziehen 😉

Ilsefälle Harz Fotografie
Die Ilse im Nationalpark Harz #2. Sony A77II | 12mm | f11 | ISO 100 | 5 Sek. | Polfilter

Übrigens: Nach Regenfällen leuchten die Farben der nassen Vegetation deutlich intensiver. Es lohnt sich also besonders bei feuchter Witterung loszuziehen. Und weniger Menschen sind dann auch unterwegs!

Abstecher zur Roßtrappe und zur Teufelsmauer

Für den kommenden Morgen hatten wir uns vorgenommen, den Sonnenaufgang an der Roßtrappe zu erleben. Von dort hat man einen tollen Ausblick über das Bodetal. Gerade rechtzeitig erreichten wir den dortigen Parkplatz und liefen die letzten Meter zum bekannten Aussichtspunkt nahe der Stadt Thale. Unterwegs begegneten wir noch einer kleinen Gruppe Mufflons, die eilig die Flucht ergriffen.

Fotografisch erwartete ich von diesem Morgen nicht allzu viel – der Himmel war für den Geschmack eines Landschaftsfotografen zu wolkenlos. Dabei hatte ich die Kamera aber natürlich schon.

Nebelschwaden stiegen aus dem Tal und erste Sonnenstrahlen erleuchteten die herbstlichen Bäume und Felskuppen über dem Bodetal. Das Rauschen der Bode war bis hier oben in über 400m Höhe zu hören.

Die Sony A77II bei der Arbeit.

Die besten Stellen für die Fotografie waren leider durch andere Fotografen besetzt. Gerne hätte ich mit einer längeren Brennweite gearbeitet, um eher Details der Kulisse in Szene zu setzen. Diese fehlte mir jedoch.
Ich machte ein paar Belichtungsreihen, um der schwierigen Lichtsituation Herr zu werden. Auch hier arbeitete ich wieder im Hoch- und Querformat. Ich nahm eine Felskuppe in den Bildvordergrund. Was leider fehlte, war ein spannender Himmel mit Wolkenformationen, nur die Nebelschwaden aus dem Tal werteten die Szenerie etwas auf:

Bodetal Harz Fotografie
Das Bodetal. Sony A77II | 10mm (nachträglicher Crop) | f11 | ISO 100 | Aufnahme aus 2 Einzelbildern mit unterschiedlicher Belichtungszeit.

Wir genossen noch etwas den gerade anbrechenden Tag und machten uns anschließend auf den Weg.

Zur Mittagszeit erreichten wir unsere letzte Station, die „Drei Zinnen“ – eine Felsformation der Teufelsmauer. Diese werden übrigens auch das „Hamburger Wappen“ genannt. Tatsächlich befindet sich direkt am Fels das Wappen der Hansestadt, nachdem es dort anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt Timmenrode angebracht wurde.

Panorama der Teufelsmauer bei Timmenrode mit dem „Hamburger Wappen“. Erstellt mit der Panoramafunktion meines Smartphones.

Jetzt zur Mittagszeit würde das Fotografieren, insbesondere bei der Vielzahl an Menschen, eher schwierig werden. Auch das Licht war natürlich nicht überragend – mit der aufgehenden Sonne im Osten dürften sich jedoch tolle Lichtstimmungen und Motive vor Ort ergeben!

Dennoch spielte ich ein wenig mit Perspektiven und versuchte eher Details der Landschaft zu fotografieren, um so die zwischen den Felsen umherlaufenden Touristen auszublenden. Denn wer sagt, dass man nicht auch zur Mittagszeit fotografieren soll? Natürlich ist das Licht härter. Aber dennoch lassen sich zumindest interessante Bilder machen. Und eine gute fotografische Übung ist es allemal, gerade dann nach Motiven zu suchen, wenn es besonders schwierig ist. Ich jedenfalls hatte Spaß daran, mit der Kamera zwischen den Felsen herum zu klettern und nach interessanten Motiven Ausschau zu halten – ganz gleich, was dabei herumkommen würde.

Teufelsmauer Fotografie Harz
Junge Birke im Fels der Teufelsmauer.
Teufelsmauer Harz Fotografie
Auch eine Konvertierung in schwarzweiß bietet sich an.
Teufelsmauer Harz Fotografie
Die Aussicht genießen.

Auf ein Wiedersehen

Ein Wochenende ist viel zu wenig, um die Sehenswürdigkeiten des Harz ausgiebig zu erkunden. Es reicht gerade einmal, um „Blut zu lecken“. Ich jedenfalls möchte den Harz als Fotorevier und faszinierende Naturlandschaft näher kennenlernen. Sicherlich gibt es hier zu jeder Jahreszeit viel zu entdecken und zu fotografieren. Nicht nur die Landschaft ist vielfältig und schön – so ist beim nächsten Mal definitiv auch das Makro- und Teleobjektiv im Gepäck, um die spannende Makro- und Tierwelt abzulichten. Und wer weiß – vielleicht zeigt sich ja mit ganz viel Glück sogar mal der Luchs 😉

18 comments

  1. Hi
    schöne Serie! Mein Favorit ist das Querformat mit dem Bach, mit dem Ahornblatt. Selber hingelegt? 🙂
    Es ist eine wunderschöne Jahreszeit für Landschaftsfotografie. Das glaube ich gerne, dass das WE überfüllt ist. Das passiert hier in der CH natürlich auch. So bin ich immer noch happy dass ich während der Woche losziehen kann. Aber du kannst ja wieder hin gehen.
    Du hast schön die verschiedenen Elemente eingebaut wie Holz und halt eben Langzeit. Bei uns waren die Kontraste neulich auch sehe lange zu hart weil die Sonne so intensiv war.
    Im Winter ist es dort sicher auch reizvoll.
    Schönen Abend wünscht dir Thee

    Gefällt mir

      1. Hi Patrick,
        Viele Fotografen helfen der Bildgestaltung nach. Versuch das nächste Mal vielleicht ein minimal gerolltes Blatt zu wählen. Lass dieses leicht zu Boden fallen damit es natürlicher platziert ist.
        Benötigt ev. ein paar Anläufe😏
        Das Blatt darf auch ein paar Schönheitsfehler haben.
        Hoffe du kannst den Herbst noch geniessen.
        LG Thee

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.