Zwischen Costa Paradiso und Bosa | Impressionen und Reisebericht aus Sardinien

Sardinien Reisebericht Fotografie

Sardinien war im Oktober 2018 unser Reiseziel. Für zwei Wochen bezogen meine Freundin und ich im Norden der zweitgrößten  Insel des Mittelmeers Quartier. Menschliche und tierische Inselbewohner sowie eine imposante Landschaft hinterließen bleibende Eindrücke, die ich in diesem Reisebericht teilen möchte!

Angekommen

Unser Aufenthalt im Norden von Sardinien gliederte sich in drei Etappen. Unsere ersten beiden Unterkünfte lagen unweit des Ortes Sorso und versprachen Ruhe und Abgeschiedenheit. Von Flughafen Alghero aus ging es mit dem Bus zunächst nach Sassari, wo Freunde uns bereits erwarteten.

Direkt vor dem Terminal des Flughafens Alghero befindet sich der Bussteig, von dem Busse Richtung Alghero und Sassari abfahren. Eine Fahrt nach Sassari kostet 3,10€ – die Tickets müssen am Automaten der Transportgesellschaft ARST in der Flughafenhalle gekauft werden. Fahrpläne der einzelnen Verbindungen sind auf der Webseite des Flughafens zu finden.

Tierische Begegnungen bei Sorso

Ich muss sagen, mit unserer ersten Unterkunft bei Sorso hätten wir es nicht besser treffen können. Herrlich abgelegen fanden wir uns wieder zwischen Obstbäumen und Palmen. Allgegenwärtig waren die Tyrrhenischen Mauereidechsen (Podarcis tiliguerta), allabendlich jagten Mauergeckos (Tarentola mauritanica) im Lichtschein der Außenbeleuchtung und die Zwergohreulen (Otus scops) riefen aus den umliegenden Bäumen. Auch der Steinkauz (Athene noctua) kam einmalig auf Stippvisite und in der Auffahrt zum Grundstück lebte die Gelbgrüne Zornnatter (Hierophis viridiflavus). Als Liebhaber von Kriechtieren und Eulen konnte ich kaum an einem besseren Ort sein.

Tyrrhenische Mauereidechse Sardinien
Allgegenwertig auf Sardinien: Die Tyrrhenische Mauereidechse (Podarcis tiliguerta).

Angst vor giftigen Schlangen muss man auf Sardinien übrigens nicht haben! Neben der genannten (ungiftigen) Gelbgrünen Zornnatter kommen dort vier weitere Schlangenarten vor, die allesamt völlig harmlos für den Menschen sind:

Strände im Norden

Sardinien ist bekannt für einige der schönsten Strände Europas. Einer von denen ist der Spiaggia Li Cossi an der Costa Paradiso – ein häufiges Motiv auf dortigen Ansichtskarten! Über einen etwa 400 Meter langen Weg entlang der Küste muss dieser vom kleinen Hafen aus erwandert werden. Glücklicherweise war die Hauptreisezeit auf Sardinien während unseres Aufenthaltes im Oktober bereits vorbei, die Temperaturen aber immer noch sommerlich! Der Strand war nun nicht mehr vollgepackt mit Menschen und so fanden wir ohne weiteres ein nettes Plätzchen für das Badehandtuch. Beim Blick auf die Badebucht springt einem auch ein kleiner See inmitten der beeindruckenden Felsformationen ins Auge – der Rio Li Cossi. Das Panorama war wirklich eindrücklich:

Spiaggia Li Cossi Sardinien
Spiaggia Li Cossi – im Oktober nicht mehr überlaufen.
Rio Li Cossi Sardinien
Rio Li Cossi.

Für die abendliche Dosis Sonnenuntergang ging es für uns regelmäßig an die von Dünen gesäumten Strandabschnitte nördlich von Sorso. Dort kam auf Grund des rauhen Charmes beinahe etwas Ostsee-Stimmung auf:

Sorso Strand Sardinien
Sonnenuntergang am Strand bei Sorso.

Landschaften wie auf einem fernen Planeten erwarteten uns am Strand La Pelosa auf dem nordwestlichsten Zipfel Sardiniens nahe Stintino. An Baden war hier allerdings während unserer Anwesenheit nicht zu denken. Ein heftiger, beinahe kühler Wind wehte, was von den unzähligen Kitesurfern vor Ort dankbar angenommen wurde!
Das scharfkantige, erodierte Gestein erinnerte mehr an eine Mondlandschaft als an die sardische Küste:

La Pelosa Sardinien
Rauhe Landschaft am Strand La Pelosa.

La Pelosa Sardinien

Sardinien La Pelosa
Meine Freundin an der Steilküste bei La Pelosa.

Rund um Alghero

Viel Zeit verbrachten wir in und um die schöne Hafenstadt Alghero im Nordwesten der Insel. Häufiges Ausflugsziel war hier die Landzunge Capo Caccia mit ihrer imposanten Felsküste und den zahlreichen Grotten! Die bekannteste unter ihnen ist die  Neptungrotte.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Neptungrotte zu erreichen – die erste erfordert Seefestigkeit, die zweite Schwindelfreiheit und Ausdauer. Vom Hafen in Alghero fahren regelmäßig Ausflugsboote die Höhle an, was zumindest kräftesparender als die zweite Option ist. Diese bedeutet nämlich vom Parkplatz am Capo Caccia 654 Stufen und über 100 Höhenmeter direkt an der Felsküste hinab und später natürlich wieder hinauf zu steigen – das kann gerade bei heißen Temperaturen ein schweißtreibendes Unterfangen sein. In beiden Fällen ist der Zugang zur Grotte nur bei ruhigem Wellengang möglich, da der Eingang auf Meereshöhe liegt. Es ist also empfehlenswert, sich vorab über die Wetter- bzw. Wellenlage zu informieren. Denn selbst wenn die See bei Alghero ruhig erscheint, kann es am Capo Caccia ganz anders aussehen, wie wir erfahren mussten. Ach ja – preislich schlägt der Eintritt vom Landweg aus mit 13€ zu Buche (inklusive geführter Tour).

Wir wählten die schweißtreibende Variante, welche sich mit einer halbwegs gesunden Fitness gut bewältigen ließ. Belohnt wurden wir mit imposanten Aussichten:

Neptungrotte Treppe
Treppe zur Neptungrotte – nur noch 654 Stufen.
Neptungrotte Capo Caccia
Noch ein paar Meter…
Neptungrotte Sardinien
Die Neptungrotte mit eindrucksvollen Stalaktiten.

Neben den Grotten gibt es rund um bzw. auf Capo Caccia eine beeindruckende Landschaft zu bestaunen:

Capo Caccia Sardinien
Unterwegs auf Capo Caccia.
Capo Caccia Sardinien
Blick von Capo Caccia nach Alghero.

Als begeisterter Taucher zehrte ich mich natürlich auch danach, meine Nase unter die Oberfläche des azurblauen Mittelmeeres zu stecken. Zusammen mit einem guten Freund tauschten wir an einem Tag Shorts, T-Shirt und Flip Flops gegen Neoprenanzug, Atemregler, Blei und Tarierweste. Zeitig ging es am frühen Morgen mit dem Boot der Tauchbasis die Westseite von Capo Caccia gen Norden zu den Tauchspots.

Tauchen Sardinien
Ready to dive…

Imposante Felswände ragten zu unserer Rechten empor, welche sich unter Wasser teils bis in 30 Meter Tiefe fortsetzten. Die See war ruhig und wir bereiteten allmählich unser Equipment vor.

Tauchen Sardinien
Auf dem Weg zum Tauchspot…

Gerade als ich den Neopren geschlüpft war, tauchten in etwa 100 Meter Entfernung ein paar Finnen (also Rückenflossen) an der Wasseroberfläche auf – Delphine! Schon jetzt war ich von der Ausfahrt beseelt. Doch auch die Unterwasserwelt hielt spannende Eindrücke für uns parat.
Es sollten meine ersten Tauchgänge in Kavernen und Höhlen werden. Per Rückwärtsrolle ging es vom Boot in eine andere Welt. Im Schein der Taschenlampe tauchten wir durch Tunnel und Spalten und immer wieder wanderte der Blick vom Innern der Kavernen nach außen ins leuchtende Blau. An den Höhlenausgängen erwarteten uns stattliche Zackenbarsche und eine Muräne steckte ihren Kopf zwischen den Felsen hervor. Von der Farben- und Artenvielfalt sicherlich nicht zu vergleichen mit dem Roten Meer, wusste das Mittelmeer mich dennoch zu begeistern.

Tauchbasis unserer Wahl war das Capo Galera Diving Center, wunderschön gelegen auf der gleichnamigen Halbinsel bei Alghero. Das Equipment ist ausschließlich von Mares und vorbildlich in Schuss. Die Guides arbeiten professionell und sind wirklich nett!
Unter Wasser erwarten dich Seepferdchen (in den Seegraswiesen), Langusten, Zackenbarsche, Muränen, Barrakudaschwärme und mit Glück die seltene Rote Koralle Corallium rubrum (die leider immer noch sehr häufig in Alghero in Form von Schmuck verkauft wird). Auf den Bootstouren sind Delphine keine Seltenheit!

Der Weg ist das Ziel

Diese alte Weisheit trifft ganz bestimmt auf die Küstenstraße Strada Provincale 105 (SP 105) zwischen Alghero und Bosa zu. Mit dem Auto Richtung Süden fahrend, die Berge zur Linken und das Meer zur Rechten, muss man sich als Fahrer arg konzentrieren, um nicht von all der Schönheit abseits der Straße abgelenkt zu werden! Ein sardischer Freund nahm uns auf dieser Route mit auf Spritztour, um uns ein ganz besonderes Fleckchen an der Küste zu zeigen. Unterwegs erfuhren wir von ihm, dass man in den Hügeln zwischen Alghero und Bosa mit etwas Glück noch die imposanten Gänsegeier beobachten kann, die in den letzten Jahren leider immer seltener geworden sind. Ich hielt die Augen auf den Himmel gerichtet – leider ohne einen dieser Greifvögel zu entdecken.

Nach einer Weile fuhren wir rechts ran und stellten den Wagen ab. Wir schlugen uns über Steine durch Gräser und Gestrüpp bis zur Felskante durch. Nun hieß es klettern, um ans Wasser zu kommen:

Sardinien Küste
Hier ging es steil abwärts.

Aufgrund einer nicht unbedenklichen potentiellen Fallhöhe und dem rauhen Gestein ging es nur langsam und mit Umsicht nach unten. Doch das kleine Abenteuer würde sich bezahlt machen:

Sardinien Küste
Eine Welle aus Stein.

Im vom Wind und Wasser bearbeiteten Gestein waren überall kleine Gezeitentümpel zu entdecken und wie eine steinerne Welle erhob sich der Fels über uns. Und das Beste: Weit und breit keine Menschenseele außer uns. Hier ließ es sich bis zum Sonnenuntergang mit ein paar Runden Kniffel und netten Gesprächen gut aushalten!

Mein Tipp: Von Alghero über die SP 105 nach Bosa fahren – dies war bei unseren Autofahrten über die Insel nach meinem Empfinden die schönste Route, die wir auf Sardinien entdecken durften! In Bosa angekommen, lohnt es sich durch die kleinen Gassen der Altstadt zum Castello Malaspina hinauf zu wandern und die dortige Aussicht zu genießen:

Castello Malaspina Bosa
Aussicht vom Castello Malaspina über Bosa.

Die letzten Tage in Alghero

Alghero war die letzte „Homebase“ unserer Sardinienreise. Unsere Airbnb-Unterkunft lag in direkter Nähe zum Hafen und der historischen Altstadt, so dass wir alles Wichtige fußläufig erreichen konnten: Die Promenade, Restaurants, Bars und Gelaterias!

Alghero Altstadt
Promenade der Altstadt von Alghero

Erneut waren wir dankbar für unseren lokalen Kontakt, der uns wertvolle Tipps für wirklich gutes Essen geben konnte. Andernfalls wären wir wohl nie in den Genuss dieser wunderbar einfachen Pfannkuchen aus Kichererbsenmehl, auf Sardinien Fainè genannt, gekommen! Wir wählten die Varianten mit Salsiccia sowie mit Zwiebeln und dazu das sardische Ichnusa Bier – mehr brauchte es  nicht, um zufrieden zu sein. Das wir am richtigen Ort für authentische lokale Küche waren, zeigten auch die Traube von Einheimischen, die auf ihre Fainé warteten.

Richtig gutes „Arme Leute“ Essen: Fainé.

Ein nicht unwesentlicher Teil der letzten Tage auf Sardinien bestand daraus, uns durch die Restaurants und Bars von Alghero zu probieren – glücklicherweise neigen meine Freundin und ich nicht gerade dazu, dick zu werden!
Die Abende ließen wir mit ein oder zwei Bier und einer Runde Kniffel ausklingen.
Der Abschied von Sardinien würde uns nicht leicht fallen!

Alghero Altstadt
In den Gassen von Alghero.
Alghero Altstadt Trattoria
Essen gehen in den Gassen von Alghero.

Wer sich bei seinem kommenden Aufenthalt in Alghero auch die köstlichen (und günstigen) Fainé  einverleiben möchte, dem lege ich das Al Grottino in der Altstadt ans Herz. Macht euch allerdings auf etwas längere Wartezeiten gefasst (auch wenn das liebenswürdige Inhaberpäärchen auf Zack ist), da es mitunter sehr voll sein kann. Sitzplätze sind zudem rar, so dass es sich empfiehlt das Essen außer Haus (bspw. an der Promenade) zu genießen. Wirklich gute Pizzen durften wir (Dank der Empfehlung unserer Gastgeberin) im schickeren Aragon verspeisen. Wer gerne urgemütlich in den Gassen der Altstadt speisen möchte, dem empfehle ich die Trattoria Da Mirko, wo wir simple aber frische Nudelgerichte und leckere Desserts gegessen haben!

Wen nun das Fernweh gepackt hat und nach Sardinien reisen möchte, dem sei noch der umfangreiche Reise Know-How Reiseführer Sardinien* empfohlen, welcher hilfreiche Informationen und Empfehlungen für die gesamte Insel parat hält.

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11 comments

      1. Kenne Sardinien von früher, ab Mitte September war damals schon Nebensaison 😉 In Zukunft Süden erst ab Oktober, ist dann sicher auch von der Temperatur her angenehmer – wir hatten noch 35 bis 37 Grad 🙂

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  1. Also ich hab ja schon gehört, dass Sardinien toll sein soll, aber sooo schön?! Diese Felsformationen sind ja der Wahnsinn, einfach traumhaft. Da ist dieses Reiseziel gleich um einiges weiter nach oben auf meiner To do Liste gerutscht.
    Liebe Grüße
    Dorie von http://www.thedorie.com

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