Das perfekte Reiseobjektiv? Erfahrungsbericht zum Olympus M.Zuiko Digital 17mm f1.8

Erfahrungsbericht Review Olympus M.Zuiko Digital 17mm f1.8

Das perfekte Reiseobjektiv? Zugegeben eine etwas plakative Frage, die sich objektiv nicht beantworten lässt. Die Ansprüche, die ein Fotograf auf Reisen an sein(e) Objektiv(e) stellt sind höchst individuell, zumal Reisefotografie kein eng umgrenztes fotografisches Genre ist. Warum aber das Olympus M.Zuiko Digital 17mm f1.8 für mich persönlich der ideale Begleiter auf Reisen ist, erläutere ich in diesem  Erfahrungsbericht.

Meine Ansprüche auf Reisen

Damit meine subjektive Bewertung dieses Objektives nachvollziehbar ist, sollte ich zunächst meine persönlichen Anforderungen an ein Reiseobjektiv näher beschreiben.
In der Regel reise ich zusammen mit meiner Freundin. Dabei steht meist das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt und selten die Fotografie. Früher hatte ich für gewöhnlich meine Erstkamera mitsamt mehrerer Objektive, Stativ und Filterset dabei. Auf Touren, die ganz der Fotografie gewidmet sind, habe ich kein Problem damit, diese Ausrüstung zu tragen. Auf gemeinsamen Reisen mit meiner Freundin jedoch war das Gewicht meist einfach unnötiger Ballast – zu wenig davon kam tatsächlich zum Einsatz. Im Urlaub bin ich beim Fotografieren eher daran interessiert, spontan und unbeschwert Impressionen festzuhalten. Gleichzeitig ist mir eine gute Bildqualität wichtig. Als Zweitsystem habe ich mir daher eine Micro Four Thirds Kamera, die Olympus OM-D E M10II, angeschafft. Für unterwegs wollte ich nun noch ein Objektiv, dass folgende Anforderungen erfüllt:

  • Lichtstärke
  • Kompaktheit und wenig Gewicht
  • ordentliche Abbildungsleistung
  • vielseitige Einsetzbarkeit
  • Preis bis maximal 350 €

Die lichtstarken Standardzooms von Olympus und Panasonic waren schon aufgrund des Preises nicht in die engere Auswahl gekommen, auch wenn sie mir mehr Flexibilität bei der Brennweite geboten hätten. Ich wollte es aber ohnehin noch reduzierter und leichter – eine Festbrennweite sollte es sein. Alle geforderten Eigenschaften sah ich beim Olympus M.Zuiko Digital 17mm f1.8 vereint. Die kleinbildäquivalente Brennweite von 34mm erschien mir für Reisefotografie perfekt: Weitwinklig genug, um auch mal Landschaften abzubilden, gleichzeitig geeignet für Portraits mit Umgebung sowie um Alltägliches abzulichten – eben eine klassische Reportage-Brennweite. Bei einem bekannten Händler für Fotoequipment erwarb ich ein gebrauchtes aber tadelloses Olympus 17mm f1.8 inkusive der sonst über 60€ teuren und seperat erhältlichen original Gegenlichtblende.

Erfahrungsbericht Review Olympus M.Zuiko Digital 17mm f1.8
Das Olympus M.Zuiko Digital 17mm f1.8.

Haptik und Verarbeitung

Hier gibt es nichts zu meckern. Das Objektiv ist aus Metall gefertigt und fühlt sich wertig an. Gleichzeitig ist es kompakt und leicht – ideal an meiner Olympus OM-D E M10II, die andernfalls sonst schnell vorderlastig werden würde. Durch zurückziehen des Fokusringes („Clutch“ Mechanismus) lässt sich das Objektiv schnell auf manuelle Fokussierung umstellen (gleichzeitig wird eine Schärfentiefeskala sichtbar) – dies nutze ich in der Praxis aber nur selten, da ich mich beim Olympus 17mm f1.8 auf den (flotten) Autofokus verlasse. Wenn es was zu bemängeln gäbe, dann die fehlende Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser.

Olympus M.Zuiko Digital 17mm f1.8 Erfahrungsbericht Review Test
Das Olympus 17mm f1.8 an der E M10II.

Bildqualität

Gleich vorweg: Ich mache mit meinen Objektiven keine Labortests. Daher stammen sämtliche Bildbeispiele aus der fotografischen Praxis. Das Olympus 17mm f1.8 ist bereits offenblendig vollumfänglich nutzbar. Lediglich die Bildränder sind bei f1.8 noch etwas weich. Durch Abblenden lässt sich die Detailzeichnung an den Bildrändern und in der Bildmitte nochmal verbessern, wobei der „Sweet Spot“ der Linse meiner Wahrnehmung nach bei f2.8 bis f5.6 liegt. Ab f8 treten Beugungseffekte stärker in Erscheinung. Auch in gedruckter Form, und das ist für mich entscheidend, stellt mich die Schärfeleistung des Objektivs vollkommen zufrieden:

Olympus 17mm f1.8 Erfahrungsbericht
Auch in gedruckter Form im Fotobuch (in diesem Falle im DIN-A3 Format) weiß die Qualität des Olympus 17mm f1.8 zu überzeugen.

Nachfolgend gebe ich ein paar Bildbeispiele inklusive Detailausschnitten, um die sehr ordentliche Detailauflösung zu veranschaulichen. 

Gut gefallen mir auch die Farben und die Kontraste. Hier muss ich an den Reglern in Lightroom meist nur wenig nachjustieren.
Ein Wermutstropfen ist die Anfälligkeit für Streulicht bei intensiver Sonneneinstrahlung. Offenblendig sind an kontrastreichen Bildstellen zudem chromatische Abberationen zu erkennen. Diese können durch leichtes Abblenden jedoch korrigiert werden.

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Starkes Gegenlicht händelt das Olympus 17mm f1.8 nicht immer ideal, auch wenn dies in diesem Fall für die Bildwirkung nicht von Nachtteil ist.

Für einige Fotografen ist die Ästhetik der Hintergrundunschärfe (das Bokeh) ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Ich persönlich schenke dem eigentlich nicht wirklich Beachtung, zumal das Freistellungspotential im Falle des Olympus 17mm f1.8 sicherlich nicht der entscheidende Kaufgrund ist. Diesem sind bei einer so kurzen Brennweite eben Grenzen gesetzt. Je nach Abstand zum Motiv bzw. zum Hintergrund gibt es dennoch Möglichkeiten mit der Schärfentiefe zu spielen. Dem interessierten Leser möchte ich daher eine Beispielaufnahme zeigen – so kann sich jeder ein eigenes Bild vom Charakter der Hintergrundunschärfe machen:

Einsetzbarkeit des Objektivs

Dieser Punkt ist meiner bescheidenen Meinung nach das beste Argument für das Olympus 17mm f1.8! Während unserer zweiwöchigen Asienreise im Februar 2019 gab es kaum eine Situation, bei der ich mir eine andere Brennweite gewünscht hätte. Sei es bei Landschaften, Environmental Portraits oder Alltagsszenen – die 17mm Brennweite (34mm KB) sind für meine Art der Reisefotografie ideal. Die Reduzierung auf das Wesentliche, nämlich die Kamera und eine fixe Brennweite, lässt mich  unbeschwerter und bewusster fotografieren. Der Bildwinkel des Objektives kommt meinem Seheindruck sehr nahe, was mir bei der Prävisualisierung der Bildgestaltung sehr entgegen kommt. Aufgrund der Lichtstärke von f1.8 kann ich auch ohne Stativ Nachtaufnahmen mit vergleichsweise geringen ISO-Werten machen und eine gewisse Freistellung des Motives lässt sich je nach Aufnahmesituation auch realisieren. Kurz gesagt macht mir das Objektiv einfach Spaß. Die nachfolgende Galerie veranschaulicht hoffentlich ganz gut die vielseitige Einsetzbarkeit der Linse:

Fazit

Auch auf kommenden Reisen wird das Olympus M.Zuiko Digital 17mm f1.8 den Weg in mein Gepäck finden. Es gibt für mich keine Ausrede dafür, die Linse zu Hause zu lassen. Es liefert eine überzeugende Bildqualität und leistet sich wenig Schwächen. Doch nicht für jeden mag diese Brennweite von Interesse sein, sei es weil sie ein paar Millimeter zu viel oder zu wenig hat oder aber weil eine Festbrennweite nicht flexibel genug erscheint. Gute Alternativen im Micro Four Thirds Lager sind das Panasonic Leica DG Summilux 15mm f1.7 Asph. oder aber das Panasonic Lumix G 20mm f1.7 Asph. II Pancake. Bei lichtstarken Zoomobjektiven für das System (Olympus 12-40mm f2.8 und Panasonic 12-35 f2.8) muss man etwas Abstriche bei der maximalen Offenblende und dem Gewicht machen. Hier gilt es nach persönlichen Präferenzen abzuwägen.

Wie sieht es bei dir aus? Wenn du ein Objektiv mit auf Reisen nehmen dürftest, welches wäre es?

4 comments

  1. Hallo Patrick, Ihre Beiträge lese ich immer sehr gerne, da sie aus der Praxis kommen und echte Bilder zeigen, nicht das synthetische Bildmaterial wie in so mancher Foto Zeitschrift.
    Zur Frage: welches Objektiv auf Reisen? Ich habe gern ein sog. Reisezoom dabei. Das war bis kürzlich das Sony 18-105 mm an einer Sony alpha 6500. Nach Verkauf des Systems ( Menueführung ) bin ich wieder bei meiner NIKON D800E mit dem Nikon 28-300mm, zugegeben ein schweres Teil.

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