Klein aber fein | Meine Erfahrungen mit der Olympus OM-D E-M10 II

Olympus OM-D E-M10 II Erfahrungsbericht

Bereits vor einiger Zeit habe ich meine ersten Eindrücke zu meiner Zweitkamera, der Olympus OM-D E-M10 II, in einem kurzen Artikel festgehalten. Einen umfangreicheren Erfahrungsbericht bin ich bisher schuldig geblieben – diesen möchte ich hiermit nun nachliefern. Lest im folgenden Beitrag, was mir an Olympus Einsteiger OM-D gefallen hat und was nicht.

Ursprünglich angedacht war, die Olympus OM-D E-M10 II als Kamera für meine Reisen zu nutzen. Verzichten wollte ich dabei auf Gewicht, nicht jedoch auf Bildqualität. Das Micro Four Thirds System erschien für diesen Zweck ideal. Um es vorweg zu nehmen: Mittlerweile denke ich ernsthaft darüber nach, gänzlich auf Micro Four Thirds umzusteigen, da das System eigentlich alle meine Ansprüche erfüllt. Meine Sony A77II bleibt immer häufiger zu Hause, wenn ich eine Fototour unternehme. Aber keine Angst, dieser Artikel soll nicht in eine blinde Lobhudelei ausarten. Auch negative Aspekte der Kamera werden nicht unerwähnt bleiben. Der Bericht erhebt allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist subjektiv – von mir nicht genutzte aber für bestimmte Leser interessante Funktionen der Kamera bleiben daher möglicherweise unerwähnt. Fragen können gerne im Kommentarbereich gestellt werden!

Meine (bisherigen) Einsatzbereiche für die Olympus OM-D E-M10 II

In unterschiedlicher Intensität wurde die Kamera über die letzten 12 Monate von mir in den folgenden Disziplinen genutzt:

  • Reise- und Naturfotografie (Landschaften und Menschen)
  • Cityscapefotografie
  • Unterwasserfoto- und videografie

Meine dabei gewonnenen Eindrücke dienen als Basis für diesen Erfahrungsbericht.

Hauptsächlich kamen drei Objektive bei mir zum Einsatz:

Haptik

Beim ersten Anfassen der Kamera war ich überrascht – sie ist schwerer (aber nicht schwer im eigentlichen Sinne) als man aufgrund der geringen Größe vermuten würde. Und das ist durchaus positiv zu verstehen. denn es vermittelt einen Eindruck von Wertigkeit. Der Korpus ist zum Teil aus einer Magnesiumlegierung gefertigt. Ich nehme die Kamera einfach unglaublich gerne in die Hand, was ein nicht unwesentlicher Faktor für ein Werkzeug ist (denn das ist eine Kamera letzten Endes). Sehr große Hände haben aber möglicherweise ein Problem mit dem sehr flachen Griff. Dem kann über einen optionalen Handgriff* Abhilfe geschaffen werden, ein Batteriegriff für das Olympus OM-D Einsteiger Modell besteht indes nicht.

Olympus OM-D E-M10 II Erfahrungsbericht Review Test
Die Olympus OM-D E-M10 II (mit angesetztem M.Zuiko 17m f1.8).

Sämtliche Einstellräder sind nicht zu leichtgängig und gut bedienbar. Die kleinen Tasten der Olympus OM-D E-M10 II dürften jedoch grobe Wurstfinger vor Probleme stellen. Geschmackssache ist sicherlich das Retrodesign der Kamera – ich für meinen Teil finde es super schick.
Gespart wurde an der OM-D E-M10 II lediglich bei der Abdichtung gegen Staub und Spritzwasser, welche den höherklassigen Modellen E-M5 und E-M1 sowie der E-M1X vorbehalten ist.

Olympus OM-D E-M10 II Erfahrungsbericht
Die Olympus OM-D E-M10 II kommt im schicken Retrodesign daher.

Bedienbarkeit

An Einstellungsmöglichkeiten gespart wurde bei der Olympus OM-D E-M10 II nicht. Knöpfe und Wahlräder lassen sich nach persönlichen Vorlieben mit vielerlei Funktionen belegen. Gerne und regelmäßig von mir während der Landschafts- und Cityscapefotografie genutzt wurde der Touchscreen. Dieser erlaubt die Auswahl des Fokusfeldes, das automatische Fokussieren sowie das Auslösen der Kamera mit einem Fingerdruck. Allerdings passierte es mir immer wieder beim Blick durch den Sucher, dass ich mit meiner Nase die Fokusfelder verstellt habe. Daher sollte man in diesem Falle den Touchscreen ausschalten. Anders als bei meiner Sony A77 II ist die kabellose Bedienung der Kamera mit Hilfe der App Olympus Image Share gut umgesetzt. Blende, ISO und Verschlusszeit lassen sich bequem per Smartphone bedienen – einen Fernauslöser kann man sich so sparen. Auch verschiedene Modi lassen sich über die App auswählen und die Übertragung von Fotos auf das Handy klappt problemlos.

Olympus Image Share App
Gut umgesetzt ist die Bedienung der Kamera per App.

Stellenweise wirklich unausgereift ist jedoch die Menüstruktur der Olympus. Diese ist durch zahlreiche Untermenüs sehr verschachtelt, nicht immer logisch und benötigt einige Zeit an Einarbeitung.  Hinzu kommt, dass die Übersetzungen bzw. Beschreibungen von bestimmten Menüpunkten in deutscher Sprache schlichtweg falsch sind. Dies merkt man dann daran, dass gemachte Einstellungen nicht den gewünschten Effekt haben. Folgendes habe ich beobachtet: Bei der Wahl der Auslöserfunktion im Einstellungsmenü für Videos stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung (mode 1 und mode 2). Nun stelle ich einmal die deutschen und englischen Beschreibungen der Modi gegenüber:

Englisch

  • Mode 1: Take photo by pressing shutter button
  • Mode 2: Start/stop movie recording by presing shutter button

Deutsch

  • Mode 1: Videoaufnahme durch Drücken des Auslösers starten/anhalten
  • Mode 2: Fotoaufnahme durch Drücken des Auslösers starten/anhalten

Na, den Fehler bemerkt? Die deutsche und die englische Beschreibung ist komplett gegensätzlich! Kleiner Tipp: Die englische Variante ist korrekt – bei Mode 1 wird eine Fotoaufnahme durch den Auslöserknopf gemacht und bei Mode 2 startet dieser eine Videoaufnahme.
Eine Nachfrage beim (sehr hilfsbereiten) Kundendienst von Olympus ergab: Der Fehler war bis dato nicht bekannt und man war erstaunt, dass mir dieser überhaupt aufgefallen ist. Die Informationen wurden an die Entwicklungsabteilung weiter geleitet. Offenbar ist selbst Olympus ein wenig überfordert mit den eigenen Menüs 😉 Ich für meinen Teil betreibe die Kamera zwischenzeitlich mit der englischen Menüführung.

Ein weiterer negativer Aspekt in der Bedienung fiel bei der Unterwasservideografie während des manuellen Weißabgleichs ins Gewicht. Dieser sollte beim Filmen Unterwasser etwa alle zwei bis drei Meter durchgeführt werden, um einem Blaustich der Aufnahmen entgegen zu wirken (auf physikalische Details von Lichtbrechung und Absorption gehe ich jetzt mal nicht ein). Üblicherweise hält man die Kamera dafür vor eine weiße oder neutral graue Oberfläche und setzt dann per Tastendruck den Abgleich. So weit, so einfach. Im Fotomodus (A, S, M) der Olympus OM-D E-M10 II klappt das auch ganz wunderbar – Menü für Weißabgleich aufrufen, beim Punkt manueller Weißabgleich die Info Taste drücken und per Auslöser den Weißpunkt setzen:

Manueller Weißabgleich Olympus OM-D E-M10 II
Manueller Weißabgleich bei der Olympus OM-D E-M10 II im Fotomodus.

Möchte ich dies jedoch im Videomodus umsetzen, legt mir Olympus unverständlicherweise Steine in den Weg. In diesem habe ich nur die Möglichkeit, auf zuvor im Fotomodus abgespeicherte Werte für den Weißabgleich zurück zu greifen. Das bedeutet für mich Unterwasser bei jeder Tiefenänderung einen relativ umständlichen Workaround: Wechsel auf den manuellen Fotomodus, Weißabgleich durchführen (dieser wird dann in einem von vier Slots gespeichert), Wechsel zurück zum Videomodus und zuvor gespeicherten Wert für den Weißabgleich aufrufen. Mir ist es ein völliges Rätsel, warum die Entwickler von Olympus die Sache so verkompliziert haben. Vielleicht haben sie es aber auch einfach nicht gemerkt (s.o.)…

Ungeachtet der genannten Unzulänglichkeiten bereitet mir die Fotografie (und Videografie) mit der Olympus Freude – für mich der wichtigste Aspekt bei einer Kamera. Aufgrund ihrer geringen Größe ist sie auf Reisen regelmäßig dabei ohne zu stören und erlaubt mir, spontan Impressionen festzuhalten. Dies ist genau das, was ich mir von der OM-D EM-M10 II erhofft habe.

Bildqualität

Vorweg: Naturgemäß liefert ein Micro-Four-Thirds Sensor nicht die gleiche Bildqualität (Rauschverhalten, Dynamikumfang etc.) wie aktuelle Kleinbildsensoren. Aber mit dieser Erwartung wird wohl auch kaum jemand in das MFT-System einsteigen. Keinesfalls habe ich mich durch vermeintliche oder tatsächliche technische Unzulänglichkeiten des kleineren Bildsensors in irgendeiner Form eingeschränkt gefühlt. Die „nur“16 Megapixel Auflösung waren für hochwertige Drucke völlig ausreichend und der Dynamikumfang der RAW-Dateien lieferte mir bisher in den allermeisten Situationen ausreichend Reserven. Bis ISO 3200 habe ich persönlich wenig Bauchschmerzen, die Kamera zu nutzen. Aufgrund des wirklich guten 5-Achsen Bildstabilisators sind solche ISO-Werte oft aber gar nicht notwendig. Im Folgenden liefere ich einige Bildbeispiele und Erläuterungen aus der fotografischen Praxis mit der Olympus OM-D E-M10 II:

Wasserschloss Hamburg Olympus OM-D E-M10 II Erfahrungsbericht
Wasserschloss in Hamburg. 17 mm | f1.8. | ISO 500 | 0,4 Sek. (aus der Hand!)

Das obige Foto zeigt das bekannte Wasserschloss in Hamburg. Aufgrund des effektiven Bildstabilisators konnte ich die Aufnahme ohne Stativ machen – trotz der 0,4 Sekunden Belichtungszeit ist das Bild nicht verwackelt. So lassen sich auch bei schwierigen Lichtverhältnissen die ISO-Werte gering halten!

Kuang Si Wasserfall Laos Erfahrungsbericht Olympus OM-D E-M10 II
Türkis-blaues Wasser in den Pools der Kuang Si Fälle (Laos). 17 mm | f22 | ISO 200 | 0,4 Sek. (aus der Hand!)

Ein weiteres Beispiel für die Effektivität des Bildstabilisators der Olympus – die Kuang Si Wasserfälle in Laos aus der Hand bei 0,4 Sekunden Belichtungszeit.

Olympus OM-D E-M10 II Erfahrungsbericht
Über den Dächern von Bangkok. 17 mm | f1.8 | ISO 2000 | 1/20 Sek.
Olympus OM-D E-M10 II High ISO
Detailausschnitt bei ISO 2000

Die obige Foto wurde bei ISO 2000 aufgenommen. Ich persönlich halte das Rauschen des Bildes für vertretbar. Beim Druck in DIN-A3 auf mattem Fotopapier fällt es tatsächlich nur wenig ins Gewicht.

Olympus OM-D E-M10 II Erfahrungsbericht
Split-Shot eines Korallenriffs im Roten Meer. 9 mm | f8 | ISO 400 | 1/125 Sek.

Diese Splitshot Aufnahme aus dem Roten Meer stellte größere Anforderungen an den Dynamikumfang des Sensors der Olympus OM-D E-M10 II. Die Gebäude im Hintergrund waren vor der Bearbeitung aufgrund des starken Sonnenlichts überstrahlt, die Bereiche Unterwasser mussten stellenweise aufgehellt werden. In der RAW-Datei waren ausreichend Bildinformationen vorhanden, um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen.

Kiel Blaue Stunde Rathaus Kleiner Kiel Olympus OM-D E-M10 II
Kiel zu blauen Stunde. Panorama aus mehreren hochkant aufgenommenen Einzelbildern. 15mm | f8 | ISO 200 | 1,6 Sek.

Wem die 16 Megapixel Auflösung des Sensors nicht ausreichen, der kann zumindest in bestimmten Situationen auf die Panoramatechnik zurückgreifen und so einen Workaround finden. Das obige Foto des Kleinen Kiels mitsamt Rathausturm besteht aus mehreren hochkant aufgenommenen Einzelaufnahmen und ließe sich ohne weiteres auch großformatig drucken. Ein High-Resolution Modus wie beispielsweise die Olympus OM-D E-M5 II besitzt die Olympus OM-D E-M10 II nicht. Vorteil der vergleichsweise geringen Auflösung von 4608 x 3456 Pixeln: Auch ältere Rechner mit wenig Arbeitsspeicher können die RAW-Dateien händeln ohne in die Knie zu gehen.

Olympus OM-D E-M10 II Erfahrungsbericht
Die Olympus 16 Megapixel Auflösung der OM-D E-M10 II sind auch für hochwertige Ausdrucke ausreichend!

Die Olympus OM-D E-M10 II als Videokamera

Zugegeben: Primärer Einsatzzweck der Olympus OM-D E-M10 II ist die Fotografie. Für die Videografie wurde sie einfach nicht konzipiert. Einen Mikrofoneingang, Kopfhörerausgang sowie die Möglichkeit für 4K-Aufnahmen sucht man bei ihr vergebens. Für mich waren diese Funktionen jedoch nicht relevant, da ich beinahe ausschließlich Unterwasser mit der Olympus filme und 4K Auflösung wären für meinen Rechner ohnehin zu viel. Für meinen Einsatzzweck im Bereich der Unterwasser-Videografie fehlt es bei der Kamera an nichts: Bis zu 60 Bilder pro Sekunde bei Full HD erlauben mir bei Bedarf ansehnliche Zeitlupen Aufnahmen, der Bildstabilisator kommt mir beim Tauchen sehr entgegen und auch extremere Weißabgleiche in größeren Wassertiefen sind möglich.  Gelegentlich strauchelte der Autofokus im Videomodus etwas und es war ein leichtes Pumpen in den Aufnahmen zu beobachten. Ich lasse im Folgenden einige bewegte Bilder meines Nebenprojektes Greenwater Images für sich sprechen:

Fazit

Die Kamera macht mir, abgesehen von einigen Unzulänglichkeiten in der Bedienung, wirklich Spaß. Mein Erwartungen in Bezug auf Bildqualität und Reisetauglichkeit erfüllt sie gänzlich. Würde ich nun vollkommen auf das Micro Four Thirds System umsteigen, wäre sie jedoch nicht meine Erstkamera. Grund hierfür wären die fehlende Wetterfestigkeit sowie die Einschränkungen bei der Ausstattung für die Videografie Überwasser. In jedem Falle wird mich die Olympus bei Reisen und insbesondere beim Tauchen noch einige Zeit begleiten. Weitergehende Erfahrungen werde ich zu gegebener Zeit hier im Bericht ergänzen.

Wer auf der Suche nach einer Ergänzung zum bestehenden Kamerasystem ist oder aber den Schritt vom Smartphone/der Kompaktkamera zur Systemkamera wagen möchte, der sollte ruhig mal einen Blick auf die Olympus OM-D E-M10 II* werfen, auch wenn bereits das Nachfolgermodell auf dem Markt ist.

Fragen können gerne im Kommentarbereich gestellt werden!

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