Nächtliche Fotografie von Kreuz- und Knoblauchkröten

Kreuzkröte Schleswig Holstein Epidalea calamita

Die vergangene Nacht bot aufgrund der relativ kühlen Witterung nicht ganz ideale Voraussetzungen, um Kreuz- und Knoblauchkröten zu fotografieren. Dennoch habe ich es versucht und kam mit einigen vorzeigbaren Aufnahmen nach Hause. Wie die Fotos entstanden, beschreibe ich im folgenden Artikel.

Das Wetter in Schleswig-Holstein ist derzeit sehr unstet. Warme Tage stehen nach langer Trockenperiode nun mit windig-kühlen und (glücklicherweise) verregneten Tagen im ständigen Wechsel. Zumindest die Regenfälle kamen mir für die Fotografie meiner Wunschmotive entgegen.

Wissenswertes

Gegen 21 Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, startete ich einer Kollegin die Suche nach zwei speziellen Vertretern der Amphibienwelt: Der Kreuzkröte (Epidalea calamita) und der Knoblauchkröte (Pelobates fuscus). Beide Spezies kommen stellenweise syntop – also im selben Lebensraum – vor.

Bei der Kreuzkröte handelt es sich um eine klassische Pionierart, welche dynamische Offenlandbiotope besiedelt. Dies können Küstendünen, temporär überstaute Flussauen aber auch Abbaugruben und Industriebrachen sein. Durch den Menschen erschaffene Sekundärhabitate haben heutzutage eine hohe Bedeutung für die Kreuzkröte, da natürliche Dynamiken in unserer anthropogen überprägten Landschaft selten geworden sind. Laichgewässer der Kreuzkröte müssen stark besonnt, eher flach und vegetationsarm sein (sogar wassergefüllte Wagenspuren werden zur Fortpflanzung genutzt). Damit einher geht immer die Gefahr des Austrocknens und dem Totalverlust von Laich und Kaulquappen. Jedoch ist die Kreuzkröte mit einer sehr kurzen Entwicklungszeit der Larven an diesen Umstand angepasst. Zur Risikostreuung hat die Art zudem meist mehrere Laichkohorten in einer Population, welche sich zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr fortpflanzen. Vorteil dieser meist nur temporär vorhandenen Laichgewässer ist, dass diese kaum oder gar nicht von Fraßfeinden und anderen Amphibien besiedelt sind.

Kreuzkröte Laichgewässer Schleswig-Holstein
Wassergefüllte Fahrspuren in einer Kiesgrube als Laichgewässer der Kreuzkröte.

Die fehlende Bindung der Kreuzkröte an feste Fortpflanzungsgewässer kann es für die Männchen notwendig machen, paarungswillige Weibchen über weite Distanzen anzulocken. Dies geschieht mit Hilfe des typischen, ratschenden Rufes, welcher über eine aufblasbare Kehlblase erzeugt wird. In warmen April- und Mainächten ist dieser teils bis zu einem Kilometer weit zu hören:

Die Knoblauchkröte ist ein besonders heimlich lebender Vertreter der Amphibienwelt, welcher nur selten beobachtet wird. Die meiste Zeit des Tages lebt die Art vergraben im Erdreich. Ein weiterer Umstand erschwert die Nachweisbarkeit der Knoblauchkröte: Die männlichen Tiere rufen zur Paarungszeit nur Unterwasser. Das typische „Tok tok tok“ ist je nach Beschaffenheit des Gewässers nur mit einem Hydrophon zu hören.

Die Knoblauchkröte bevorzugt größere, dauerhafte und stark besonnte Gewässer mit dichterer Krautschicht und senkrechten Pflanzenstengeln, an denen sie ihre Laichschnüre anheften kann. Gelegentlich laicht sie jedoch auch in großflächigen, vegetationslosen Temporärgewässern gemeinsam mit der Kreuzkröte ab. Dies konnte ich bereits in einer Kiesgrube in Schleswig-Holstein beobachten. Bedingt durch die lange Larvalentwicklung dürften die Überlebenschancen der Kaulquappen dann jedoch nur sehr begrenzt sein. Bei der Größe der Larven ist die Knoblauchkröte übrigens Rekordhalter unter den heimischen Froschlurchen – diese erreichen in extremen Fällen eine Länge von bis zu 18 cm.

Im Landhabitat benötigt die Knoblauchkröte leicht grabfähige und eher sandige Böden, in die sie sich mit Hilfe ihrer Grabschwielen eingraben kann. Landlebensräume können z.B. Binnendünen und Abgrabungsflächen  aber auch Spargel- und Kartoffelfelder sein – so kam die Knoblauchkröte zu ihrem umgangssprachlichen Namen Kartoffeltroll.

Unterwegs im Habitat

Im letzten Tageslicht suchte ich mit einer Kollegin zunächst die zahlreichen Lachen und wassergefüllten Wagenspuren der Kiesgrube ab (Hinweis: Wir hielten uns dort mit Genehmigung auf – Kiesgruben und insbesondere Spülfelder bergen zahlreiche Gefahren und dürfen nicht ohne weiteres betreten werden). Zu Tausenden entdeckten wir die schwarz gefärbten Larven der Kreuzkröte. In den letzten Wochen fanden hier Paarungsaktivitäten mit mehreren Dutzend Rufern statt. Heute war damit aufgrund der kühlen Witterung nicht zu rechnen, jedoch hofften wir zumindest auf einzelne Tiere im Gewässerumfeld. Nachdem ich über eine Bluetooth Box die Paarungsrufe der Kreuzkröte von meinem Smartphone abgespielt hatte, antworteten tatsächlich drei Individuen. Vorsichtig suchten wir mit den Stirnlampen den Gewässerrand ab und wurden fündig: Zwei Männchen der Kreuzkröte saßen im Flachwasser.

Kreuzkröte Schleswig Holstein Epidalea calamita
Kreuzkröte im Laichgewässer | 105 mm | f2.8 | ISO 2500 | 1/400 Sek.

Meine Kollegin sorgte mit einer Taschenlampe für ein seitlich einfallendes Licht auf die Kröte. Mithilfe meines Klappdisplays konnte ich sehr knapp über der Wasseroberfläche fotografieren ohne mich hinlegen zu müssen und nass zu werden. Ich inszenierte die Kröte samt Spiegelung nach der Drittelregel. Manuell fokussierte ich bei offener Blende und ISO 2500 auf das beleuchtete Auge meines Motivs. Eine kurze Serie von Bildern und die Aufnahme war im Kasten. Wir wanden uns der anderen Kreuzkröte zu, um das erste Tier nicht zu lange zu behelligen. Der Artgenosse posierte fotogen und ließ sich nicht stören. Wieder sollte es eine etwas abstraktere Aufnahme werden – nur schemenhaft war das Tier durch das Seitenlicht zu erkennen:

Kreuzkröte Schleswig Holstein Epidalea calamita
Kreuzkröte am Laichgewässer | 105 mm | f4 | ISO 1600 | 1/200 Sek.

Vertieft in die Fotografie merkte ich erst nicht, wie die Kälte langsam in meine Glieder kroch. Es war Zeit sich im Auto aufzuwärmen, denn es sollte diese Nacht noch zu einer weiteren Location gehen, um den zweiten Star des Abends aufzuspüren. Ich rechnete mir keine allzu hohen Chancen aus, doch einen Versuch war es allemal wert.

Bei der zweiten Fläche handelte es sich um eine aus der Nutzung genommene, öffentlich zugängliche  und naturschutzfachlich gepflegte Abbaugrube. Die mageren Hänge dort sind Heimat für die Zauneidechse und in den unterschiedlichen Gewässern tummeln sich Moorfrosch, Grasfrosch, Erdkröte, Teichmolch, Kreuz- und Knoblauchkröte. Auf letztere hatten wir es abgesehen.

Im Schein unserer Stirnlampe jagten Teichmolche die abertausenden und allgegenwärtigen Larven der Erdkröte. Vor etwa einem Monat hatten diese hier abgelaicht und ich konnte meine ersten Unterwasser Aufnahmen von Amphibien machen. Wieder schritten wir langsam die Ufer der Tümpel ab. Eine einzelne Kreuzkröte schwamm durch das flache Wasser. Wenige Meter weiter wurden wir fündig: Eine  Knoblauchkröte saß am Gewässerrand:

Knoblauchkröte Schleswig-Holstein Pelobates fuscus
Knoblauchkröte | 105 mm | f3.5 | ISO 2000 | 1/160 Sek.

Die senkrechten Pupillen ihrer katzenartigen Augen waren in der Dunkelheit nun weit geöffnet. Die Schnauzenspitze dieser urtümlichen, zu den Europäischen Schaufelfußkröten (Pelobates) gehörenden Art erinnerte in der Tat an einen Troll. Ich verlor keine Zeit und machte einige Aufnahmen im Schein unserer Lampen, bevor der seltsame aber liebenswürdige Geselle im Wasser verschwand.

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