Wildlifefotografie auf Helgoland | Basstölpel, Kegelrobben und Seehunde

Seehund am Strand

Das oftmals (und fälschlicherweise) als einzige Hochseeinsel Deutschlands betitelte Helgoland ist ein Paradies für Wildlife- und Naturfotografen. Wohl nirgendwo sonst kommt man in der Bundesrepublik wildlebenden Tieren mühelos so nahe wie hier. Tausende von Seevögeln nutzen die Sandsteinfelsen des gerade einmal 1 km² großen Eilandes zur Brut und Aufzucht ihrer Jungen und die 0,7 km² große Nachbarinsel Düne beheimatet eine stattliche Robbenkolonie bestehend aus Seehunden und Kegelrobben – Deutschlands größtem Raubtier. Von Hamburg aus machten meine Freundin und ich uns im September auf den Weg, um eine Woche lang die Natur und Seeluft auf der kleinen Nordseeinsel zu genießen – und natürlich um wilde Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu fotografieren.

Helgoland – Deutschlands einzige Hochseeinsel?

Räumen wir doch zunächst mit diesem Irrtum auf. Die zum Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein zugehörige Insel Helgoland liegt nämlich per Definition gar nicht in der Hochsee. So ist die Insel nicht durch internationale Gewässer vom Festland getrennt und befindet sich auch nicht auf hoher See, sondern sie zählt zum sogenannten Bereich des Schelfs (= Festlandsockel). Das der Begriff Deutschlands einzige Hochseeinsel weiterhin verwendet wird, hat vermutlich Marketinggründe – klingt ja auch toll. Einzigartig ist Helgoland im deutschen Bundesgebiet aber dennoch. Denn keine andere deutsche Insel ist so weit vom Festland entfernt und anders als die im Wattenmeer gelegenen friesischen Inseln, wie zum Beispiel Amrum und Sylt, handelt es sich bei Helgoland um eine Insel aus 260 Millionen Jahre altem Buntsandstein. Dieses felsige Substrat setzt sich auch unter der Wasseroberfläche mit dem sogenannten Helgoländer Felssockel (eines der größten Naturschutzgebiete Schleswig-Holsteins) fort und ist der Grund für die reichhaltige Meeresfauna und -flora, die in der deutschen Bucht ihresgleichen sucht.

Helgoland Felsen Buntsandstein
Die Buntsandsteinfelsen Helgolands.

Fauna und Flora Helgolands

Inmitten von Sand und Schlick gelegen, ist der besagte Helgoländer Felssockel eine regelrechte Oase für Tiere und Pflanzen. Denn dieser erlaubt es verschiedenen Arten von Tang, Anemonen und Weichkorallen wie der Toten Meerhand überhaupt erst Halt zu finden. In der Folge entwickelten sich hier für die deutsche Nordsee einmalige Tangwälder. Diese wiederum bieten einer ganzen Reihe von Tieren Nahrung und Unterschlupf. Helgolands berühmtester Unterwasser Bewohner ist wohl der leider selten gewordene Helgoländer Hummer. Aber auch Kleingefleckte Katzenhaie, Nagelrochen und Klippenbarsche sind im Gebiet heimisch. Weiter draußen vor der Insel sammeln sich alljährlich im Sommer sogar Hundshaie – mehr dazu findet ihr hier.

Überwasser setzt sich die spannende Artenvielfalt fort – was für viele Besucher Helgolands einer der Hauptgründe ist, die Insel zu besuchen. So brüten an der Westflanke der Insel in den Felsen zahlreiche Seevögel, namentlich Trottellummen, Basstölpel (erst seit 1991), Tordalken, Dreizehenmöwen und Eissturmvögel. Ein Highlight ist der alljährliche Lummensprung im Juni, wenn die jungen Trottellummen sich den Rufen der Elterntiere folgend teils bis zu 50 Meter aus dem Nest in die Tiefe stürzen.

Auf der durch eine Sturmflut im Jahre 1721 von der Hauptinsel abgetrennten Helgoländer Düne ist die Hauptattraktion sicherlich die große Robbenkolonie. So werden die Strände von Seehunden und Kegelrobben als Ruhe- und Wurfplatz genutzt. Nirgendwo sonst kommt man in Deutschland diesen Tieren in der Natur so nahe, wie hier. Dennoch gilt es, für ein möglichst konfliktfreies Miteinander von Mensch und Tier, den Sicherheitsabstand von 30 Metern einzuhalten, auch wenn die Tiere entspannt wirken. Es handelt sich, was viele gerne vergessen, um Raubtiere – bei der Kegelrobbe sogar um Deutschlands Größtes. So werden die Bullen dieser Art bis zu 300 kg schwer. Einzelne Kegelrobben auf Helgoland machen dabei sogar Jagd auf ihren kleineren Verwandten, den Seehund.

Seehund Helgoland Düne
Junger Seehund am Strand der Helgoländer Düne.

Wilde Tiere vor der Kamera

Für meine Freundin und mich war es der dritte Besuch auf Helgoland und bereits bei unserem letzten Besuch 2014 habe ich einige Aufnahmen der Insel-Tierwelt machen können. Doch nach so vielen Jahren habe ich mich fotografisch natürlich weiter entwickelt, und so konnte es mein rechter Zeigefinger kaum abwarten, den Auslöser zu drücken, um mit neuen ansprechenden Fotos die Speicherkarte meiner Kamera zu füllen. Nach einem anstrengenden Umzug von Kiel in meine neue Heimatstadt Hamburg sehnten meine Freundin und ich uns nach tollen Naturerlebnissen und etwas Entspannung an frischer Nordseeluft.

Wie immer bezogen wir unser Lager auf dem Campingplatz der Düne, in unmittelbarer Nähe zu den Robben.

Während meines ersten Rundgangs auf der Düne wurde ich am Südstrand fündig – eine Gruppe bestehend aus Seehunden und Kegelrobben ruhte im Sand. Ich legte mich tief auf den Boden, um die Tiere auf Augenhöhe fotografieren zu können. Meinen Fotorucksack nutzte ich dafür, um meine Sony A77 II samt Tamron 150-600 mm Teleobjektiv abzustützen. Da ich den gebotenen Sicherheitsabstand zu den Tieren nicht unterschreiten wollte, war ich froh um diese lange Brennweite. Nun hieß es warten, bis sich eine der ruhenden Robben dazu aufraffte ihren Blick gen Kamera zu wenden. Die meiste Zeit taten die Tiere jedoch das, was Robben am Strand eben tun: Dösen. Nur dann und wann hob das eine oder andere Tier seinen Kopf.

Sony A77II Tamron 150-600
Warten auf den richtigen Moment…

Während ich die Gemeinschaft aus Kegelrobben und Seehunden fotografierte, spielte ich immer wieder mit der Bildaufteilung. Durch die niedrige Kameraperspektive und die lange Brennweite verwischte der Vordergrund gänzlich in Unschärfe:

Seehund Helgoland Düne
Ruhender Seehund auf der Helgoländer Düne. 600 mm | f7.1 | ISO 640 | 1/400 Sek.
Seehund Helgoland Düne
Der selbe Seehund – diesmal mit leicht veränderter Bildaufteilung. 600 mm | f7.1 | ISO 640 | 1/320 Sek.

Leider lagen die Kegelrobben an diesem Abend fotografisch eher ungünstig, so dass ich mich zunächst „nur“ mit Aufnahmen von den Seehunden begnügen musste. Deutschlands größtes Raubtier würde ich an einem anderen Tag fotografieren.

Die Düne hält aber auch andere fotografische Möglichkeiten parat. So streifen im Spülsaum der Nordsee unzählige Limikolen auf der Suche nach Futter umher. Häufig zu beobachten sind hier zum Beispiel Steinwälzer, Sandregenpfeifer und Austernfischer. Mit etwas Ruhe und Ausdauer kommen diese Vögel durchaus in ausreichend kurzer Distanz vor die Kameralinse. Ein Wunschmotiv meinerseits war der Austernfischer. Mit seiner dunklen Gefiederfärbung und dem orangenen Schnabel hebt er sich wunderbar kontrastreich vom hellen Sand ab:

Austernfischer Helgoland
Austernfischer am Südstrand der Helgoländer Düne. 600 mm | f6.3 | ISO 640 | 1/800 Sek.

Kein Helgolandurlaub ist komplett ohne einen Spaziergang zu den Basstölpeln auf dem Oberland der Hauptinsel. Und so zog es uns mehrfach an den Klippenrundweg zu den Sandsteinfelsen, wo die Basstölpel auch im September noch in großer Zahl zu beobachten sind.

Helgoland Felsen Basstölpel
Basstölpelkolonie an den Sandsteinfelsen der Insel Helgoland.

Die anderen Vogelarten, die an dem so genannten LummenfelsenSchleswig-Holsteins kleinstem Naturschutzgebiet, saisonal zu beobachten sind, entgingen meinen ornithologisch eher ungeschulten Augen. Vermutlich war es auch einfach zu spät im Jahr, um die namensgebende Trottellumme oder die selteneren Tordalken hier zu beobachten. Die Basstölpel alleine boten aber hinreichend Möglichkeiten für die Vogelfotografie. Aufgrund der geringen Scheu der Tiere sind die hiesigen Individuen sicherlich ein oft fotografiertes Motiv unter deutschen Naturfotografen. Langweilig wird es deswegen aber nicht. Auch ich setzte mich an den Klippenrand und versuchte mich am Motiv, für das ich die vollen 600 mm Brennweite meines Objektivs eigentlich gar nicht brauchte.

Basstölpel Helgoland
Basstölpelpaar bei der Begrüßung. 300 mm | f5.6 | ISO 500 | 1/800 Sek.

Bei der Masse an Vögeln war es nicht immer einfach, die Tiere fotografisch vom Umfeld zu isolieren. Gelegentlich fanden sich abseits jedoch einzeln sitzende Individuen.

Basstölpel Helgoland
Basstölpel auf Helgoland. 300 mm | f5.6 | ISO 500 | 1/1600 Sek.

Auch wenn ich finde, dass Farbfotos den in meinen Augen wunderschönen Basstölpeln eher gerecht werden, boten sich einzelne Aufnahmen für eine Konvertierung in schwarz-weiß an.

Basstölpel Helgoland schwarzweiß
Basstölpel in schwarz-weiß. 600 mm | f6.3 | ISO 500 | 1/1250 Sek.

Frontal abgelichtet wirkten die Basstölpel ein wenig eigentümlich und die schwarze Zeichnung unterhalb des Schnabels erinnerte mich an einen Spitzbart.

Basstölpel Helgoland
Frontalansicht eines Basstölpels. 460 mm | f11 | ISO 640 | 1/800 Sek.

Dem Klippenrundweg des Helgoländer Oberlandes folgend trafen wir auf eine Herde Schafe, welche direkt am Klippenrand weidete. Vor der Kulisse der Nordsee im starken Wind, welcher ihre Wolle wehen lies, gaben sie ein interessantes Motiv ab.

Schaf Klippe Helgoland
Schaf am Klippenrand Helgolands. 40 mm | f2.8 | ISO 100 | 1/2000 Sek.

Zurück auf der Düne, musste ich mich unbedingt wieder den Robben widmen. Immerhin standen noch ansprechende Aufnahmen von Deutschlands größtem Raubtier, der Kegelrobbe, auf meiner Agenda. Und so machte ich mich wieder zum Südstrand auf, in der Hoffnung, dass die Tiere diesmal etwas fotogener am Strand lagen. Die südöstliche Spitze der Düne erwies sich als verlässlicher Platz, ruhende Seehunde und Kegelrobben zu beobachten. Den Sicherheitsabstand wahrend, legte ich mich wieder samt Kamera in den Sand. Ich hatte Glück – ein beeindruckender Kegelrobbenbulle robbte seinen massigen Körper über den Strand.

Kegelrobbe Helgoland Naturfotografie
Kegelrobbenbulle am Südstrand der Helgoländer Düne. 560 mm | f8 | ISO 500 | 1/1250 Sek.

Auf dem Weg zurück zum Campingplatz ereignete sich die für mich wohl bezauberndste Wildtierbegegnung dieses Urlaubs. Ein sehr junger Seehund räkelte sich entspannt an der Aade im Osten der Düne. Wieder hieß es tief runter auf Augenhöhe des Tieres. Und so entstand dann auch mein persönliches Lieblingsbild dieser Reise:

Seehund Düne Helgoland Naturfotografie
Junger Seehund am Strand der Helgoländer Düne. 600 mm | f6.3 | ISO 800 | 1/400 Sek.

Das Jungtier hielt sich sehr verlässlich über zwei Tage an dieser Stelle auf, so dass ich einen Tag später weitere Aufnahmen von ihm/ihr machen konnte.

Seehund Düne Helgoland Naturfotografie
Junger Seehund an der Aade. 600 mm | f6.3 | ISO 640 | 1/800 Sek.

Auch hier bot sich einmal die Konvertierung in schwarz-weiß an.

Seehund Aade Düne Helgoland Naturfotografie
Junger Seehund in schwarz-weiß. 600 mm | f6.3 | ISO 640 | 1/1250 Sek.

Der kleine Geselle war wirklich ein dankbares Motiv und ich war regelrecht beseelt, während ich den Meeressäuger beobachtete. Sicherlich wird er einen Platz an der heimischen Wand in Form eines Fotoprints finden.

Ich hätte viele weitere Tage auf der Helgoländer Düne mit der Fotografie von Seehunden und Kegelrobben verbringen können, doch irgendwann hieß es Abschied nehmen von diesem kleinen Naturparadies. Mehrere Tausend Bilder warteten darauf gesichtet zu werden.

Glücklicherweise ist es ein Leichtes, von Hamburg nach Helgoland zu kommen und so wird mich sicherlich noch der eine oder andere Ausflug auf die einzige Insel des Kreises Pinneberg führen.

Mich würde interessieren, wer von den Lesern schon einmal auf Helgoland war und die dortige Fauna und Flora fotografiert hat! Gerne könnt ihr eure Bilder in den Kommentaren verlinken – ich bin gespannt Helgolands Natur durch eure Augen zu sehen.

11 comments

  1. Sehr schöne Bilder und ein klasse Text dazu! Da packt mich direkt die Reiselust…. Bisher war ich noch nicht auf Helgoland, doch ist direkt auf die Wunschliste gesetzt 😉
    Liebe Grüße!

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  2. Hey Patrick, tolle Bilder! Da kommen Erinnerungen auf 🙂 War vor Jahren auch mehrmals da und hab auf dem Campingplatz gecamped. Ein wunderschöner Ort mit so viel Natur und Fotomöglichkeiten! Beste Grüße nach D aus Fidschi,
    Tom

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    1. Hey Tom, vielen Dank! Ist echt ne tolle Insel, ja! Aber auf Fidschi hast du ja auch tolle Möglichkeiten, gerade Unterwasser 😉 Würde ich irgendwann gerne auch mal erleben! Viele Grüße aus dem herbstlichen Norddeutschland,
      Patrick

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  3. Interessanter Artikel, gespickt mit einer Menge toller Fotos! Mit Genuß gelesen und betrachtet.
    „Nach einem anstrengenden Umzug von Kiel in meine neue Heimatstadt Hamburg“ Willkommen in der Hansestadt! Vielleicht sieht man sich ja mal im Wittmoor oder Duvenstedter Brook bei der Reptiliensuche.. ;D
    VG Kristof

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    1. Moin Kristof!
      Dankeschön! Ja, die Reptilienreviere hier muss ich mir noch erschließen. Habe mir schon mal das Schnakenmoor, Duvenstedter Brook und Fischbeker Heide angeschaut. Leider an guten Tagen auch viel Publikumsverkehr dort. Möglicherweise werden meine Stammreviere dann doch eher in Schleswig-Holstein liegen 😉 Aber mal schauen..
      LG
      Patrick

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