Landschaftsfotografie im Nationalpark Bayerischer Wald

Im August diesen Jahres ging es für meine Freundin und mich unter anderem in den Nationalpark Bayerischer Wald. Eine Woche lang wollten wir dort zelten, wandern – und natürlich die beeindruckenden Landschaften fotografieren.

Der Nationalpark

An der tschechischen Grenze gelegen, bildet der Nationalpark Bayerischer Wald zusammen mit dem auf tschechischer Seite befindlichen Šumava Nationalpark das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas. Die Landschaft ist überaus vielgestaltig. Viele der Mittelgebirgsgipfel liegen deutlich über der Höhe von 1000 Metern und bieten Wanderern beeindruckende Aussichten. In der Kernzone ist die Natur weitestgehend sich selbst überlassen, so dass die dortigen Wälder sich zu den Urwäldern von Morgen entwickeln können. Neben unterschiedlichsten Entwicklungsstufen des Waldes lassen sich im Nationalpark zudem Regenmoore, Wildbäche und Felsschluchten bestaunen. Teils fühlt man sich an skandinavische Landschaften erinnert und insbesondere die tschechische Seite der Nationalparkregion ist nur sehr dünn besiedelt.

Unter den tierischen Bewohnern des Bayerischen Walds finden sich Arten, die in anderen Regionen Deutschlands selten oder sogar ausgestorben sind. Zu nennen ist hier insbesondere der Luchs, welcher seit den 1970er Jahren wieder die deutsch-tschechische Grenzregion durchstreift. Der Luchs ist jedoch nicht der einzige Spitzenprädator in der Region. So hat es mittlerweile auch der Wolf in den Bayerischen Wald geschafft. Die Chance, dass man einem dieser scheuen Raubtiere über den Weg läuft ist jedoch verschwindend gering. Weitere, vielerorts seltene oder ausgestorbene Arten, welche im Nationalpark einen Lebensraum finden, sind z.B. der Biber, das Auerhuhn, der Sperlings- und der Habichtskauz. Im Šumava Nationalpark hat sich sogar eine kleine Population des Elches etabliert, von der es einzelne Tiere auch immer wieder mal auf die Bayerische Seite der Grenze verschlägt.

Ein Traum für Landschaftsfotografen

Der Bayerische Wald bietet mit seinen urigen Wäldern, Wildbächen und Gipfeln zu jeder Jahreszeit eine unerschöpfliche Zahl an fotografischen Möglichkeiten. Für meinen ersten Aufenthalt im Bayerischen Wald hatte ich mir als Zielfotos Aufnahmen vom Gipfel des Lusen zu Sonnenauf oder -untergang sowie vom Wildbach „Kleine Ohe“ in den Kopf gesetzt. Aufgrund des Wetterberichtes, welcher Regen vorhersagte, musste der Lusen zunächst warten. Die zum Teil starken Regenfälle versprachen jedoch gute Bedingungen für die Fotografie am Bach.

Der Wildbach „Kleine Ohe“

Durch die Nässe leuchtete das Grün der Moose, Farne und des Blattwerks geradezu. Der bedeckte Himmel sorgte für ein gleichmäßiges Licht und minderte die Kontraste unterhalb der Baumkronen. Auf der Suche nach passenden Motiven wanderte ich flussaufwärts. Ich entschied mich für das 10-20mm Weitwinkelobjektiv an meiner Kamera. Um das satte Grün der Vegetation im Foto zu betonen und um störende Reflektionen auf der Wasseroberfläche zu mindern, schraubte ich den Polfilter auf die Linse. Herausforderung war es nun, in der Unordnung des Waldes einen ansprechenden Bildaufbau zu finden, welcher das Auge nicht überfordert. Immer wieder experimentierte ich an unterschiedlichen Stellen des Wildbachs mit Bildvordergründen und leitenden Linien. Bei der Bildgestaltung war meine wichtigste Überlegung immer: Was macht den Charakter dieser Landschaft aus? In meinen Augen war das neben den kleinen Stromschnellen vor allem die üppig mit Moos bewachsenen Steine sowie die vielerorts ausladend wachsenden Farne. Klar war also, dass dies zentrale Elemente meiner Bildgestaltung sein würden:

Farne säumen vielerorts die „Kleine Ohe“. 10 mm (an APS-C) | f11 | ISO100 | 4 Sek.

Wieder auf dem Rückweg zum Parkplatz fiel mein Blick auf einen Bereich im Bach, an welchem sich kleine Schaumkronen durch die Strömung verwirbelten. Durch das schummrige Licht, den aufgesetzten Polfilter sowie die geschlossene Blende erreichte ich mittlerweile Belichtungszeiten von etwa 8 Sekunden, so dass die Bewegung der Schaumkronen auf dem Bild festgehalten wurden:

Die Moose leuchten in sattem Grün. Die relativ lange Belichtungszeit macht die Bewegung des Wassers sichtbar. 10 mm (an APS-C) | f10 | ISO100 | 8 Sek.

Der Gipfel des Lusen

Für meine erste Reise in den Bayerischen Wald war ich mit der Ausbeute an Fotos von der Kleinen Ohe schon durchaus zufrieden. Ein Klassiker des Bayerischen Waldes stand jedoch, wie oben erwähnt, noch auf meiner fotografischen Agenda: Der Ausblick vom 1373 Meter hohen Lusen bei Morgen- oder Abendlicht. Eine Wanderung zum von Blocksteinhalden geprägten Gipfel des Berges hatten meine Freundin und ich bereits hinter uns. Doch fand diese zur Mittagszeit bei hoch stehender Sonne statt, so dass fotografisch zunächst nicht viel zu holen war. Ein weiterer Aufstieg zur frühen Morgenstunde oder aber Abends sollte dies ändern. Leider war laut der Wettervorhersage ein fotogener Sonnenaufgang bis zu unserer Abreise aufgrund von starker Bewölkung und Regenfällen nicht mehr zu erwarten. Durch die vielen Regenfälle und die zeitweise sehr kühlen Nächte hätte es morgens ansonsten gute Chancen auf tolle Nebelstimmungen gegeben. Diesen Plan musste ich also bis zur nächsten Reise in den Bayerischen Wald ad acta legen. Alle meine Hoffnungen legte ich nun in einen fotogenen Sonnenuntergang. Für den Mittwochabend sah die Prognose vielversprechend aus. Ab 17 Uhr sollte der Himmel aufklaren und gegen 20 Uhr war nur noch eine leichte Bewölkung vorhergesagt. Immer wieder wanderte mein Blick gen Himmel aber auch um 18 Uhr waren nur sehr vereinzelt Lücken in der Wolkendecke zu erkennen. Dennoch wollten meine Freundin und ich den abendlichen Aufstieg wagen. Wir fuhren von unserem Campingplatz in Finsterau nach Waldhäuser und dann die (zwischen 9 und 16 Uhr gesperrte) Lusenstraße hinauf zum letzten Parkplatz vor dem Gipfel. Mit jedem Höhenmeter, den wir entlang des Sommerwegs (bzw. der sogenannten „Himmelsleiter“) zurücklegten, wurde uns jedoch deutlicher, dass es auch an diesem Abend von der Sonne nichts zu sehen sein würde. Der Gipfel war in einen dichten Nebel gehüllt, so dass wir uns nach kurzem Aufenthalt wieder auf den Rückweg zum Auto machten. Die letzte Gelegenheit für ein ansprechendes Foto würde sich mit Glück am folgenden Donnerstag ergeben.

Gegen 19 Uhr erreichten wir wieder den Parkplatz und hatten bequeme 75 Minuten bis zum Sonnenuntergang. Über den Winterweg waren wir zeitig am Gipfel angelangt und ich hatte noch etwas Zeit, in Ruhe das Stativ aufzubauen und mich dem Bildaufbau zu widmen. Prägnantes Charakteristikum des Lusengipfels ist das Blockmeer aus Granit-Felsblöcken, welche mit gelblichen Landkartenflechten bewachsen sind. Diese imposante Gesteinsformation wählte ich als Bildvordergrund. In der Ferne zeichneten sich im Dunst die bewaldeten Hügel der bayerisch-tschechischen Grenzregion ab. Nur einzelne Wolken waren noch am Himmel zu sehen – für meinen Geschmack fast etwas zu wenig. Aber dem Landschaftsfotografen kann man es ja meist eh nicht recht machen 😉 Allmählich senkte sich unser Zentralgestirn dem Horizont entgegen und ich betätigte in regelmäßigen Abständen den Auslöser meiner Kamera, bis eine einzelne Wolke die letzten Sonnenstrahlen des Tages schluckte. In der Dämmerung machten meine Freundin und ich uns auf den Rückweg zum Auto.

Sonnenuntergang auf dem Lusen im Nationalpark Bayerischer Wald. 10 mm (an APS-C) | f16 | ISO100 | 1/6 Sek.

Auf ein Wiedersehen

Der Bayerische Wald gehört aufgrund seiner Weite, der Vielzahl an Gipfeln und Natur- sowie Kulturlandschaften zu den beeindruckendsten Gegenden, welche ich in Deutschland bis dato erleben durfte. Während meines ersten Besuches habe ich gerade erst an der Oberfläche der Sehenswürdigkeiten und fotografischen Möglichkeiten gekratzt und eine Wiederkehr, bei der dann vermehrt auch der tschechische Šumava Nationalpark erkundet wird, steht bereits fest auf meiner Agenda.

4 comments

  1. Servus Patrick,
    am Donnerstag fahren wir auch in den Bayerischen Wald und wollen da auf die Hochschachten. Mal schauen, ob mir auch so schöne Fotos gelingen.
    Viele Grüße Richard

    Gefällt mir

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